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Der goldne Topf

Figuren

Figurenkonstellation

Der goldne Topf – Figurenkonstellation
  • Anselmus

    Der Student Anselmus führt als Protagonist durch das Märchen. Anfänglich wird seine gebildete und hochgewachsene Erscheinung beschrieben. Seine nicht zueinander passenden Kleidungsstücke sowie seine bescheidene Wohnsituation sprechen aber für seine ärmlichen Verhältnisse. Oft ereilen ihn Missgeschicke wie der Zusammenstoß mit dem Apfelweib. Auf solche reagiert Anselmus mit tiefem Beschämen, Wut auf sich selbst und Selbstmitleid. Er ist mit dem Konrektor Paulmann und Registrator Heerbrand befreundet. Außerdem bemüht er sich um Veronika, die Tochter des Konrektors. Darin zeigen sich Anselmus’ Versuche, sich in die bürgerliche Gesellschaft zu integrieren, was ihm aufgrund seiner Tollpatschigkeit allerdings schwerfällt. Anselmus ist ein Außenseiter, zeigt sich als Tagträumer und Selbstredner, obwohl er letzteren gegenüber eine Abneigung hegt. Der Konrektor zweifelt zeitweilig an ihm, während der Registrator an eine erfolgreiche Zukunft des Studenten glaubt. Anselmus besitzt ein Talent für Kalligraphie, das ihm eine Anstellung beim Archivarius Lindhorst ermöglicht.

    Neben der bürgerlichen Seite zeigen sich in Anselmus’ Charakter auch die Zugänge zum Übernatürlichen und Fantastischen. So wird in ihm eine unstillbare Sehnsucht mit einer breit gefächerten Gefühlspalette von tiefem Schmerz bis höchster Wonne entfacht. In einem Holunderbusch hört er Kristallklänge, verliebt sich in eine Schlange und sieht das Gesicht des Apfelweibs im Türklopfer des Archivarius. Seine Liebe zu Serpentina, die sich mit der zu Veronika überlappt, stellt Anselmus’ Konflikt und Wanken zwischen der rational-realistischen und mystisch-fantastischen Welt heraus. Als er Serpentina vergisst, misslingen ihm seine Arbeiten und er findet sich in einem gläsernen Gefängnis wieder. Seine tiefe Liebe und sein Glauben befreien ihn letztendlich und bescheren ihm unendliches Glück in Atlantis. Er entwickelt sich dabei vom Tollpatsch zum glücklichen Ehemann. Auch seine berufliche Laufbahn kann als die vom einfachen Schreiberling zum Poeten gedeutet werden.

  • Archivarius Lindhorst

    Der Archivarius Lindhorst hat Zugang zu beiden Welten: der bürgerlichen und der Welt der Naturgeister. Das erklärt auch seinen Doppelnamen. In der rationalen Welt ist er als wunderlicher Antiquar und Chemiker bekannt. Er nimmt an Gesellschaften teil und hält sich beispielsweise gerne im Kaffeehaus auf. Wenn er dort aber von seiner wahren Herkunft erzählt, die ihn zu einem Salamander und Geisterfürsten macht, erntet er nur Gelächter und Unverständnis. Der Archivarius ist somit ein Außenseiter und Sonderling. Sein Auftreten kann von zornig, über spöttig bis hin zu sanftmütig sein. Anselmus jagt er aufgrund seiner imposanten Stimme und Erscheinung teilweise Angst ein, der Registrator bezeichnet ihn dennoch als liebenswürdigen Menschen.

    Seine magische Seite wird von seiner Tochter erklärt, die beschreibt, dass der Archivarius durch einen Fluch in menschlicher Gestalt an die Erde gebunden ist, bis seine drei Töchter verheiratet wurden. Seine übernatürlichen Kräfte stellt er dennoch ab und zu zur Schau. Mit diesem Hintergrund wird er zu Anselmus’ Mentor. Er glaubt an den Jungen und macht ihm Hoffnung auf Serpentina. Er lädt Anselmus in sein Haus ein, wo er seine Lehre durch das Abschreiben der komplexen und übernatürlichen Manuskripte absolvieren soll. Der Garten des Archivarius ist mit sprechenden Vögeln, sinnlichen Düften und Klängen ein Sinnbild für die Geisterwelt und eine Vorahnung vom sagenreichen Land Atlantis. Allerdings erscheinen diese Phänomene nur denjenigen, die offen dafür sind. Am Ende bezwingt der Archivarius seine Gegenspielerin, das alte Apfelweib. Ob er als Salamander in die Geisterwelt zurückkehren kann, bleibt hingegen ungewiss.

  • Die Alte/ Apfelweib/ Rauerin/ Wärterin Liese

    Die Alte tritt als erstes als Apfelweib auf und kommt im Laufe des Märchens immer wieder unter anderen (oben genannten) Namen vor. Es handelt sich aber um ein und dieselbe Figur. Sie steht für das Böse, das Archivarius Lindhorst und Anselmus als Gegenspielerin in ihren Augen ebenbürtig gegenüber steht. Laut Erzählung ist sie aus einer schwarzen Feder und einer Runkelrübe entstanden. Die dunklen Mächte, die sie anwendet, wirken von außen nach innen. Die Beschreibung ihres Äußeren und ihres Hauses, nicht zuletzt ihr Kater, der sie als Komplize begleitet, unterstreichen ihre hexenhafte Erscheinung.

    Die Alte ist in der Stadt als Rauerin bekannt. Ihre übernatürlichen Fähigkeiten veranlassen Veronika dazu, sie aufzusuchen. Ihr stellt sich die Alte als ihre ehemalige Wärterin Liese vor. Ob sie dies wirklich ist oder dies nur als Vorwand nutzt, um das Vertrauen des Mädchens zu gewinnen, ist ungewiss. Die Alte verspricht ihr zwar den Anselmus, verfolgt aber in erster Linie eigene Ziele, wie den Archivarius zu boykottieren und den goldenen Topf zu besitzen. Ihr Vorgehen ist von dunklen Zaubern bestimmt und verursacht bei den Beteiligten Grauen und Schrecken. Höhnisches Lachen sowie Flüche, die sie zum Beispiel Anselmus hinterher ruft, unterstreichen ihre fiese und böse Art. Im Kampf mit dem Archivarius wird sie zu Fall gebracht.

  • Serpentina

    Serpentina ist eine der drei Töchter des Archivarius Lindhorst, die den Menschen nur in Schlangengestalt erscheinen können. Darauf weist bereits ihr Name hin: »serpens« ist lateinisch und bedeutet »Schlange«. Diese ist im christlichen Hintergrund vor allem negativ besetzt, wie der Kommentar eines Passanten unterstreicht. (vgl. 35) Sie fungiert als Verführerin und Sinnbild der Sehnsucht, handelt aber im Guten. Statt aus dem Paradies, wie nach biblischem Hintergrund, zu vertreiben, führt sie zu diesem hin. Ihr Name kann aber auch mit dem Begriff aus der Renaissance »figura serpentinata« in Verbindung gebracht werden – den »Schlangenlinien«, welche als Schönheitsideal verstanden wurden und auch in der Kalligraphie von Bedeutung sind. (Varga, 60f.)

    Die Schwestern sind vom Geisterfürsten Phosphorus dazu verdammt, im Frühling in einem Holunderbusch mit Kristallstimmen zu singen. Serpentina begegnet so Anselmus, der sich beim Anblick ihrer dunkelblauen Augen unsterblich in sie verliebt. Dabei werden eindeutige Parallelen zu Veronika gezogen. Doch während diese in der realen Welt lebt, ist Serpentina einzig und allein Teil der fantastischen Welt und entfacht für diese Anselmus’ Sehnen. Es bleibt also die Frage, ob sie nur in seiner Vorstellung existiert. Serpentina verkörpert ein Ideal von Schönheit, Glück und Vollkommenheit.

    Nur mit Serpentinas Hilfe gelingt es Anselmus, die Manuskripte fertigzustellen. Dabei appelliert sie immer wieder an seinen Glauben und seine Liebe zu ihr. Mit diesen gelingt es Anselmus, Serpentina für sich zu gewinnen und in das Reich Atlantis einzukehren.

  • Veronika

    Veronika ist mit 16 Jahren die ältere Tochter von Konrektor Paulmann und gilt mit ihrem hübschen Äußeren und ihrer talentierten Stimme als gute Partie. Dabei zeigen sich deutliche Parallelen zu Serpentina. Sie verkörpert ihren Gegenpol in der bürgerlichen Welt, geht dabei aber mit dunkler Magie vor.

    Veronika hegt eine Schwärmerei für Anselmus, die sich in umfangreichen Tagträumen zeigt, als die Aussicht besteht, dass er Hofrat werden könne. Sie glaubt an sein Potenzial und hofft, an seiner Seite Frau Hofrätin zu werden. In diesem Wunsch zeigt sich Veronikas Bestreben, eine angesehene Stellung in der Gesellschaft zu erlangen, was ihr zu dieser Zeit nur über eine Hochzeit möglich ist. Veronikas Träumereien ermöglichen ihr den Zugang zum Übernatürlichen, der für sie jedoch ausschließlich beängstigende Erfahrungen bereithält. Der Wunsch, Anselmus für sich zu gewinnen, lässt sie einen Pakt mit der Rauerin eingehen. Obwohl sie von Angst und Schrecken begleitet wird, zeigt Veronika hier ihre Standfestigkeit. Bis zum Schluss hält sie den Glauben an das Erlebte aufrecht, obwohl sie sich von allen dämonischen Künsten abwenden will. Sie bereut ihre Taten und wünscht Anselmus alles Gute für die Zukunft.
    Am Ende heiratet sie den Hofrat Heerbrand und erreicht damit ihr Ziel, Frau Hofrätin zu werden.

  • Konrektor Paulmann

    Der Konrektor Paulmann stellt als Figur den Inbegriff des rationalen und bürgerlichen Lebens dar. Die Nennung seines Berufes verdeutlicht die Wichtigkeit der gesellschaftlichen Stellung. Alle Andeutungen von fantastischen Vorstellungen und Bildern stoßen bei ihm auf Widerstand. Die Äußerungen seines Freundes Anselmus will er am liebsten mit einer Blutegeltherapie behandeln lassen und schüren in ihm den Glauben, Anselmus sei ein hoffnungsloser Fall. Trotzdem lädt er ihn zu sich nach Hause ein und respektiert die Heiratsabsichten seiner Tochter Veronika. Weiterhin zeigt er sich als fürsorglicher Vater, der Veronika untersuchen lässt und ihr am Ende den Segen für die Hochzeit mit Hofrat Heerbrand gibt.

    Der Konrektor hält sich selbst für etwas Besseres und glaubt, dass Anselmus sich nicht blicken lasse, da er Angst vor ihm habe. Zum Schluss will er Anselmus sogar Hausverbot erteilen. Auf Selbstgespräche oder märchenhafte Überzeugungen reagiert der Konrektor nahezu allergisch. Allein der Punsch vermag ihm den Zugang zu einer solchen Welt zu öffnen, die im nüchternen Zustand jedoch für ihn verschlossen bleibt.

  • Registrator Heerbrand

    Der Registrator Heerbrand ist eine Figur des bürgerlichen Lebens, was durch die Nennung seines Dienstgrades hervorgehoben wird. Jedoch erhält er mit Hilfe anderer Einblicke in die fantastische Welt. Er verbringt Zeit mit dem Archivarius Lindhorst, hält seine Erzählungen allerdings für schlechte Märchen. Dennoch sieht er in ihm einen liebevollen Zeitgenossen und vertraut ihm Anselmus als Gehilfen an. Der Registrator fungiert häufig als Schnittstelle zwischen Anselmus und dem Archivarius sowie dem Konrektor Paulmann. Während dieser den Glauben an Anselmus zunehmend verliert, sieht der Registrator durchaus Potenzial in ihm und scheint häufiger mehr zu wissen, als er preisgibt. Außerdem schwächt der Registrator den Eindruck von Anselms’ Wahnsinns ab, indem er zugibt, sich selbst Tagträumen hinzugeben.

    Am Ende wird ihm anstatt Anselmus das Amt des Hofrats inne, womit er sich traut, seine Absicht, Veronika zu heiraten, in die Tat umzusetzen. Er scheint ein geselliger und fröhlicher Mensch zu sein, der gerne trinkt. Übernatürliche Bilder und Beschreibungen schließt er nicht von Grund auf aus, versucht diese jedoch logisch zu erklären. Veronikas Erzählungen interpretiert er als Allegorie, anstatt sie komplett abzulehnen. Außerdem behauptet er, dass Anselmus von bösen Mächten befallen sei. (vgl. 95)

  • Fränzchen

    Fränzchen ist die jüngere der beiden Töchter von Konrektor Paulmann. Sie ist zwölf Jahre alt und kümmert sich bereits um haushälterische Tätigkeiten wie das Aufsetzen von Kaffee und Tee. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie gegenüber Veronikas Verunsicherung die Fassung behält. Die Liebe zu ihrer Schwester zeigt sich in Fränzchens’ Bestreben, ihr zu helfen und für sie zu sorgen. Als das abendliche Spektakel unter den Einflüssen des Punsches allerdings außer Kontrolle gerät, wird es auch Fränzchen zu viel und sie flüchtet ihrem Alter entsprechend weinend in ihr Zimmer. Anschließend übernimmt sie Verantwortung und bringt die Herren zu Bett. Sie verkörpert damit die bürgerlichen Tugenden eines jungen Mädchens. Zu den gespenstischen Visionen und Erzählungen ihrer Schwester findet sie keinen Zugang.

  • Der graue Papagei und seine Kinder

    Der graue Papagei ist ein Bewohner im Garten des Archivarius. Dort wird er mit ernster und würdevoller Miene beschrieben, die durch seine Brille noch unterstrichen wird. Diese fungiert als Brücke zur realistischen Welt, als der graue Papagei als Bote in menschlicher Gestalt beim Konrektor Paulmann auftaucht. Später wird er von diesem als Gehilfe des Archivarius entlarvt. Der Papagei hat demnach Zugang zu beiden Welten und betritt diese in der Erscheinung, für die seine Gegenüber offen sind. Seine Treue zum Archivarius beweist er im Kampf gegen den Kater der Alten. Außerdem ist er für die Beseitigung der Runkelrübe verantwortlich.
    Seine Kinder necken als bunte Vögel Anselmus. Der Papagei entschuldigt sich zwar dafür, leistet allerdings auch Widerrede, die vom Archivarius nicht geduldet wird, was seine untertänige Stellung untermauert.

  • Der schwarze Kater der Alten

    Der Kater der Alten wirkt als Gegenstück zu Lindhorsts Papagei. Wie seine Gebieterin hat er übernatürliche Kräfte. Er kann sich zum Beispiel in einem Tintenfass verstecken oder Funken sprühen lassen. Als treuer Ergebener folgt er dem Befehl der Alten und hilft ihr bei ihren Zaubern. Der Kater stirbt im Kampf mit dem Papagei. Veronika ist die einzige, die ihn (vorübergehend) verteidigt. (vgl. 78)

  • Mademoiselle Osters – Angelika

    Die Mademoiselle Osters sind Freundinnen von Veronika und Fränzchen, welche diese zum Nachmittagskaffee besuchen. Von Veronikas Angst vor Gespenstern lassen sie sich leicht anstecken, können aber auch darüber lachen. Die älteste der Mädchen, Angelika, ist mit dem vermissten Offizier Viktor verlobt. Sie glaubt an Übernatürliches und an die Fähigkeiten von Wahrsagerinnen. Dies gibt ihr Kraft und Vertrauen, auf eine positive Zukunft mit ihrem Viktor zu hoffen. Ähnlich wie der Registrator Heerbrand für Anselmus wird Angelika zur Wegweiserin für Veronika. Sie erzählt ihr von der Rauerin.

  • Doktor Eckstein

    Doktor Eckstein hat nur zwei kurze Auftritte im Märchen, bei denen er sich vor allem einsilbig zeigt. Damit fungiert er als ironische Figur. Trotz seiner Wortkargheit scheint er sein Fach zu verstehen und ist Konrektor Paulmanns Berater und Ansprechpartner, wenn es um die Leiden seiner Tochter geht. Der Doktor tritt ausschließlich in der bürgerlichen Welt auf. Veronikas Verhalten diagnostiziert er als Nervenleiden und stellt keinen übernatürlichen Bezug her.

  • Phosphorus

    Phosphorus ist eine Figur, die ausschließlich in der fantastischen Welt in Erzählungen von Serpentina und dem Archivarius auftaucht. In Lindhorsts Geschichte wird beschrieben, wie sich der Jüngling in die Feuerlilie verliebt, den schwarzen Drachen besiegt und schließlich als Geisterfürst mit der Lilie über Atlantis herrscht. Als solcher verbannt er den Salamander aus dem Reich und stellt an seine Rückkehr harte Bedingungen. Zorn liegt in seiner Begründung, dabei hat er selbst riskante Taten aus Liebe vollbracht.
    Bei Phosphorus ist der Name Programm. Die Eigenschaften des Elements Phosphor, Licht zu speichern und demnach zu leuchten, werden hier mit dem Funken beschrieben, der die Feuerlilie entzündet. (Varga, 69)

  • Erdgeist

    Der Erdgeist tritt ebenfalls nur in Serpentinas Erzählung auf. Er ist Phosphorus’ Gärtner und soll den Salamander piesacken und gefangen halten. Der Erdgeist wird als alt und mürrisch beschrieben und ist demnach nicht über die Aufgabe erfreut. Allerdings verlangt er eine mildere Strafe für den Salamander. Für jede der Töchter fertigt er einen glänzenden Topf aus Metall an, welcher ihnen nach der Hochzeit höchstes Glück und die Wiedervereinigung mit der Natur ermöglichen soll.

  • Feuerlilie und grüne Schlange

    Bei Phosphorus ist es die Feuerlilie, beim Salamander die aus einer Lilie entspringende grüne Schlange, die das Schicksal der Männer beeinflusst. Beide entfachen die Liebe bei den Jünglingen und beide werden durch deren Funken in ein neues Wesen verwandelt. Ihre Figuren unterstützen das Märchenhafte und das Fantastische an der Geschichte. Außerdem wird hiermit auch der enge Bezug beziehungsweise die Bedeutung der Natur eingebunden.

  • Drei Kreuzschüler und zwei Praktikanten

    Die drei Kreuzschüler und die zwei Praktikanten sind wie Anselmus in Glasflaschen im Haus des Archivarius eingesperrt. Doch anders als der leidende Anselmus sind die Fünf höchst zufrieden mit ihrem Dasein. Sie stehen für das rein rationale und bürgerliche Leben, in dem sie keinen Zugang zu Mystik und Kunst suchen oder gar finden und somit die Enge des Gefängnisses nicht erkennen.

  • Schiffer

    Der Schiffer hat nur einen kurzen Auftritt in der 2. Vigilie. Ihm hat Anselmus es zu verdanken, nicht in die Elbe zu stürzen. Ansonsten bleibt er als Randfigur des bürgerlichen Lebens im Hintergrund.

  • Bürgerliche Familie

    Die bürgerliche Familie ertappt Anselmus bei dem Versuch, die Schlangen in dem Holunderbusch hervorzulocken. Das Entsetzen der Ehefrau zeigt ihre rationale und bürgerliche Einstellung. Mit dieser bringt sie Anselmus zurück in die Realität. Der Mann ist hingegen schon etwas offener, begründet Anselmus’ Verhalten mit Trunkenheit und leiht sich etwas von seinem Tabak. Die Interaktion mit der Familie verwehrt es dem Studenten, sich schnellstmöglich aus der Situation zu entziehen. Das Tuscheln der Leute hebt sein Außenseitertum hervor.

  • Mädchen und Marktfrauen

    Die Mädchen werden nur als Randfiguren beschrieben. Daraus geht allerdings hervor, dass sie Mitleid mit Anselmus haben, der immer wieder in unangenehme Situationen gerät.
    Auch die Marktfrauen sind nur Randfiguren. Sie sind skeptischer als die Mädchen. Zu Beginn des Märchens beschimpfen sie Anselmus, nachdem er in den Korb der Alten gerannt war und halten damit zu ihrer Kollegin. Das Geschrei der Alten führt jedoch zum Umschwenken der Stimmung und ebenfalls zur Bemitleidung.

  • Volk, Passanten, Gäste, Straßenjungen

    Weitere Figuren wie die Straßenjungen, sowie Gäste beim Himmelfahrtstag, Passanten, Männer und Frauen dienen dem Erzählverlauf. Ihre Reaktionen und Kommentare dienen der näheren Beschreibung der Hauptfiguren und deren Entwicklung.

  • Naturschauspiele

    Sprechende Naturerscheinungen wie etwaige Pflanzen und Blüten oder auch Himmelskörper wie die Sonne sind per se keine Figuren, sondern stellen anhand von Stilmitteln, in diesem Fall vordergründig Personifikationen, die umfangreiche Welt der Natur dar, die hier im Sinne der Romantik sehnsuchtsvoll beschrieben wird.

  • Der Erzähler

    Der Erzähler unterbricht das Werk viermal und spricht dabei den Leser direkt an. Damit erhält er einen eigenen Charakter. Er erklärt dabei, dass er seine Erzählungen nur in der Nacht schreibe, was die Unterteilungen in Vigilien erklärt. Bedeutend wird die 12. Vigilie, in der er nicht weiß, wie er das Werk zu Ende bringen soll. In ihm wird nochmal die Sehnsucht nach der Vollkommenheit, wie sie Anselmus am Ende erlebt, beschrieben. Damit wird der Kontrast zum alltäglichen bürgerlichen Leben, wie es der Erzähler durchlebt, deutlich. Poesie könnte ein Ausweg sein.

Veröffentlicht am 24. Juni 2024. Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2024.