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Der goldne Topf

Zitate und Textstellen

  • »Wahr ist es doch, ich bin zu allem möglichen Kreuz und Elend geboren!«
    – Anselmus, S. 7

    Anselmus führt Selbstgespräche, ein Verhalten, das von der Gesellschaft und ihm selbst abgelehnt wird. Doch zu groß ist sein Ärger über seine ständigen Missgeschicke. Anselmus glaubt, vom Pech verfolgt zu werden und bekräftigt dies mit dem Zitatanfang, der keinen Zweifel zulässt. »Kreuz und Elend« ist eine Tautologie, die Wiederholung eines Begriffs durch ein sinnverwandtes Wort. Anhand des Ausrufs wird seine Wut bekräftigt.

  • »Durch alle Glieder fuhr es ihm wie ein elektrischer Schlag, er erbebte im Innersten – er starrte hinauf, und ein Paar herrliche dunkelblaue Augen blickten ihn an mit unaussprechlicher Sehnsucht, so dass ein nie gekanntes Gefühl der höchsten Seligkeit und des tiefsten Schmerzes seine Brust zersprengen wollte.«
    – Erzähler (über Anselmus), S. 10

    Anselmus blickt zum ersten Mal in Serpentinas Augen. Der Vergleich mit dem elektrischen Schlag und sein Erbeben drücken sein Empfinden auf körperlicher Ebene aus. Die unaussprechliche Sehnsucht, ist das Gefühl, das in ihm entfacht wird. Die Wahl der Adjektive »unaussprechlich«, auch die Superlative »höchste« und »tiefsten« sowie die Metapher zum Schluss geben einen Eindruck von der Tragweite für Anselmus. Obwohl die Gefühle im Kontrast stehen, schließen sie sich nicht aus.

  • »Kennst du mich denn – glaubst du denn an mich, Anselmus? – nur in dem Glauben ist die Liebe – kannst du denn lieben?«
    – Serpentina, S. 33

    Serpentina stellt Anselmus diese Fragen, die fast schon einen rhetorischen Charakter haben. (Anselmus beantwortet sie an dieser Stelle nur mit dem Ruf von Serpentinas Namen.) Der Aufbau gleicht den Parolen der Hexe: ein kurzer Satz, gefolgt von zwei längeren Sätzen, abgeschlossen mit einem kurzen wie zu Beginn, alle mit Bindestrichen verbunden. Damit weicht der Satzbau von der Sprechweise der übrigen Figuren ab und charakterisiert die Sprache der mystischen Welt.

  • »Er ist der weise Mann, aber ich bin die weise Frau«
    – Die Alte als Liese, S. 45

    Die Alte agiert als Archivarius Lindhorsts Gegenspielerin. In diesem Zitat stellt sie sich als ebenbürtig dar, indem sie das Adjektiv »weise« für sich und ihn verwendet. Beide Satzteile weisen den gleichen Aufbau auf, was die Ebenbürtigkeit syntaktisch unterstreicht.

  • »Ein entsetzlicher herzzerschneidender Jammer tönte herab aus den schwarzen Wolken, die sich in schneller Flucht zusammenballten und alles einhüllten in dicke Finsternis. [...] Ihr wollte der Atem vergehen, es war als griffen eiskalte Krallen in ihr Inneres, aber gewaltsam raffte sie sich zusammen«
    – Erzähler, S. 56

    Die Metapher des »herzzerschneidende[n] Jammers«, die Personifikation der Wolken und die beschreibenden Adjektive stellen die schaurige Szenerie dar, in der sich Veronika befindet. Auf die Beschreibung der Außenwelt folgt die ebenso metaphorische Beschreibung der Innenwelt. Trotz aller Strapazen, reißt sich Veronika zusammen - ein entscheidender Faktor für ihren Charakter.

  • »[...] duftende Blumen, und der Geruch, den sie verbreiteten, stieg aus ihren Kelchen empor in leisen lieblichen Tönen«
    – Erzähler (Perspektive Anselmus), S. 64

    Anselmus betritt erneut den Garten des Archivarius. Bei diesem Zitat dienen Synästhesien zur Beschreibung der fantastischen Welt, in dem Sinneseindrücke, die normalerweise getrennt sind, gekoppelt werden. Hier betrifft es Riechen und Hören. Die Alliteration am Ende unterstützt die Klangbeschreibungen, die für die fantastische Welt umfangreich vorgenommen werden.

  • »Nimm dich vor der Alten in Acht, lieber Anselmus, sie ist dir feind, weil dein kindlich frommes Gemüt schon manchen ihrer bösen Zauber vernichtet.«
    – Serpentina, S. 71

    Serpentina warnt Anselmus vor der Alten. Sein »kindlich frommes Gemüt« wird den Eigenschaften der Alten konträr gegenübergestellt. Es wird zu Anselmus' Stärke und beschreibt seine Empfänglichkeit für das Fantastische entgegen dem rationalen Denken.

  • »Herr Anselmus – Herr Anselmus [...] rappelt’s Ihnen im Kopfe? – was um des Himmels willen schwatzen Sie für ungewaschenes Zeug?«
    – Konrektor Paulmann, S. 77

    Mit der Wiederholung am Zitatbeginn versucht der Konrektor Paulmann Anselmus' Aufmerksamkeit zu erlangen. Die zwei folgenden rhetorischen Fragen drücken sein Unverständnis für Anselmus’ Verhalten aus. Dass der Konrektor hier auf umgangssprachliche Redewendungen zurückgreift, anstatt die gewohnte gestelzte Ausdrucksweise an den Tag zu legen, ist auf seine überraschte und aufgebrachte Gemütslage zurückzuführen.

  • »Serpentina! – der Glauben an dich, die Liebe hat mir das Innerste der Natur erschlossen! [...] Ja, ich Hochbeglückter habe das Höchste erkannt - ich muss dich lieben ewiglich, o Serpentina!«
    – Anselmus, S. 101

    Anselmus und Serpentina leben vereint in Atlantis. Ihr verdankt er dieses Glück, das auf einer Erkenntnis beruht, und das er durch Ausrufe und die Verwendung von Superlativen zum Ausdruck bringt. Bei dieser Erkenntnis spricht Anselmus vom Innersten der Natur. Die Natur war ein wichtiges Symbol für die Romantik: Da sich die Menschen von der Natur entfremdet haben, müssen sie zu dieser zurückfinden. Hinter Anselmus’ Errungenschaften könnte sich aber auch seine Entwicklung zum Dichter verbergen. Dann hat Anselmus sich das Reich der Poesie erschlossen.

  • »Ist denn überhaupt des Anselmus Seligkeit etwas anderes als das Leben in der Poesie, der sich der heilige Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur offenbaret?«
    – Archivarius Lindhorst, S. 102

    Der Erzähler beneidet Anselmus für sein Leben in Atlantis. Der Archivarius Lindhorst macht ihn darauf aufmerksam, dass diese Vollkommenheit ebenso durch das »Leben in der Poesie« erreicht werden könne. Die Romantiker strebten eine Auflösung der strengen Grenzen zwischen Genren und Gattungen, Kunst und Philosophien an. Die romantische Poesie ist kein Endzustand, sondern ein Prozess. Statt Trennung soll Verbundenheit erfahren werden – vergleiche »der heilige Einklang aller Wesen«.

Veröffentlicht am 24. Juni 2024. Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2024.