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Der goldne Topf

Rezeption und Kritik

Hoffmann selbst sah sein Märchen »Der goldne Topf« als gut gelungen an. Er »war eigenständig in Bezug auf Denken, Ästhetik und Schreibweise im Verhältnis zu seinen Zeitgenossen«. (Grobe, 88) Womöglich erntete er deshalb Skepsis, auch unter den Romantikern. Konkurrenzdenken mochte ein Grund dafür sein, die Betrachtung Hoffmanns als Alkoholiker ein anderer. Dies ging so weit, dass eine gefährliche Wirkung von Hoffmanns Schriften gefürchtet wurde. (Varga, 89)

Heinrich Heine, der die Fantasiestück-Reihe 1822 überschwänglich lobte, lehnte sie 10 Jahre später mit den Worten: »ist nicht die Flamme des Genius, sondern des Fiebers« (ebd.) ab. Auch Goethe stand dem Märchen ablehnend gegenüber. Als Verfechter der Klassik war er generell ein Gegner der romantischen Strömung.

Trotzdem kam es zu einer überwiegend positiven Annahme bei Rezensenten und Lesepublikum. So spricht sich Friedrich Gottlob Wetzel 1815 als Redakteur des Fränkischen Merkurs lobend aus: »[...] so rechnen wir unbedenklich dieses wunderschöne Märchen zu jenen seltenen Geistesblüthen« (ebd., 90). Von den insgesamt 15 Rezensionen zu Hoffmanns Fantasiestücken ist nur eine ablehnend. Diese stammt von Karl Ludwig von Woltmann, der im Dezember 1815 in der Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung von einer »Unart und Abart der neueren Ästhetik der Deutschen« (ebd.) spricht. Darin zeigt sich der Konflikt zwischen Romantik und Weimarer Klassik auf literaturhistorischer Ebene.

In Deutschland verschwand E. T. A. Hoffmann recht schnell von der Bildfläche. Umso größer waren seine Erfolge im Ausland, insbesondere in Frankreich, wo zwischen 1829 und 1833 eine 20-bändige Ausgabe erschien. Gérard de Nerval stellte Hoffmann auf eine Stufe mit Goethe und Schiller. Hier kam es außerdem zu einer Übertragung des hoffmannschen Werks auf die Bühne. Die Oper »Le contes d’ Hoffmann« von Jacques Offenbach wurde 1881 uraufgeführt. Weiter führte Hoffmanns Einfluss nach Russland, der sich in den Romanen »Die Nase« (1836) und »Der Mantel« (1842) von Nikolaj Gogols finden lässt. (Neubauer, 81) Obwohl die Popularität im englischsprachigen Raum weniger stark ausfiel, ist der Bezug zu Edgar Allen Poe zu nennen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt das Märchen in Deutschland in den Bereich der Grusel- und Unterhaltungsliteratur. Ein kurzes Aufkeimen erfährt Hoffmanns Werk Anfang des 20. Jahrhunderts als eine neue fantastische Literaturströmung, die Neuromantik, aufkommt. Dabei sind Einflüsse auf Franz Kafka und Gustav Meyrink zu nennen, für dessen Roman »Der Golem« »Der goldne Topf« als Vorlage diente. (Varga, 92)

Nach einer tiefenpsychologischen Deutung von Aniela Jaffé 1950 begann die Auseinandersetzung im deutschsprachigen Raum vor allem in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Heute gibt es vielschichtige und kontroverse Interpretationsansätze.

Hoffmanns Schaffen inspiriert zu genreübergreifenden Umsetzungen. Die Filme von David Lynch basieren auf der Zwei-Welten-Konstruktion. Eine Oper von Eckehard Mayer unter dem gleichen Titel wie das Märchen wurde 1989 in Dresden uraufgeführt. Auch Schauspiele wie 2010 in Dresden und 2011 in Berlin griffen das Thema auf. 

Veröffentlicht am 24. Juni 2024. Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2024.