Der blonde Eckbert

Figuren und Charakterisierung

Figurenkonstellation

Der blonde Eckbert – Figurenkonstellation
  • Ritter Eckbert, genannt »Der blonde Eckbert«

    40-jähriger Ritter von unauffälliger Erscheinung. Er hat eine eher kleine Statur und trägt kurzes hellblondes Haar um ein blasses, eingefallenes Gesicht. Eckbert lebt friedlich und äußerst zurückgezogen mit seiner Frau Bertha auf seiner Burg im Harz, deren Mauern er nur selten verlässt. Von den ritterlichen Fehden der Nachbarn hält er sich fern. Seine Ehe ist liebevoll, bleibt aber kinderlos, worüber Eckbert und Bertha unglücklich sind. Gesellschaften gibt es auf seinem Schloss selten; Eckbert lebt mäßig und sparsam. Wenn er gelegentlich Gäste bewirtet, zeigt er sich freundlich und zugewandt. Ist er aber mit Bertha allein, offenbaren sich seine Melancholie und Verschlossenheit. Im Laufe der Handlung, die ihn in Unglück und Verzweiflung führt, verwirrt sich sein Geist immer mehr, bis er schließlich im Wahnsinn endet.

  • Bertha

    Eckberts Ehefrau, die aus armen Verhältnissen stammt und früh das lieblose Elternhaus verlassen hat. Nach einigen Jahren, die sie bei einer alten Frau im Wald gelebt hat, hat sie Eckbert kennengelernt und ihn geheiratet. Durch den Verkauf von Edelsteinen, die sie der Alten gestohlen hatte, ist sie reich geworden, was ihr und ihrem Mann ein finanziell sorgenfreies Leben ermöglicht. Bertha lebt mit der belastenden Erinnerung an das begangene Unrecht und fühlt sich auf eine ungewisse Art bedroht. Sie stirbt, nachdem sie Philipp Walther ihre Lebensgeschichte erzählt hat.

  • Philipp Walther

    Engster und offenbar auch einziger Freund von Eckbert. Eckbert hat Walther zum Freund gewählt, weil er eine ähnliche Lebenseinstellung hat wie er selbst. Worin diese besteht, wird nicht näher erläutert. Philipp Walther wohnt in Franken, hält sich aber häufig für längere Zeit im Harz nahe Eckberts Burg auf. Manchmal bleibt er hier sogar länger als ein halbes Jahr. In dieser Zeit sammelt er Kräuter und Steine und beschäftigt sich mit ihrer Systematisierung. Da er von einem kleinen Vermögen lebt, ist er unabhängig und kann solchen Liebhabereien nachgehen. Mit Eckbert unternimmt er gern lange Spaziergänge, bei denen die Freunde sich im Gespräch austauschen. Nachdem er Berthas Lebensgeschichte erfahren hat, erscheint Walther verändert. Eckbert und Bertha vertrauen ihm nicht mehr und fürchten ihn sogar. Schließlich wird Walther von Eckbert umgebracht.

  • Die Alte

    Alte Frau, die im Wald lebt und Bertha bei sich in einer einfachen Hütte aufnimmt, als diese vor ihren Eltern davonläuft. Ihr genaues Alter wird nicht genannt, aber sie muss hochbetagt sein, denn sie wird als runzelig und gebeugt beschrieben und geht stets an einem Krückstock. Manchmal singt sie mit schriller, krächzender Stimme. Sie lebt in ihrer Hütte mit einem Hund und einem Vogel. Indem sie Bertha ihren Haushalt führen lässt und ihr die Verantwortung für die Tiere übergibt, übt sie sanften pädagogischen Druck auf sie aus und erzieht sie mit Lob und Tadel. Sie lebt nach einem streng festgelegten Tagesablauf und ernsten Lebensrichtlinien. Die Alte folgt christlichen Werten, betet häufig und ist überzeugt davon, dass moralisch verwerfliches Verhalten, das Abweichen von der »rechten Bahn«, vom Schicksal bestraft werde. Zugleich geht sie liebevoll mit Bertha um und behandelt sie wie ihre eigene Tochter.

  • Hugo

    Junger Ritter, der nach Berthas Tod Eckberts Freundschaft sucht, große Zuneigung zu ihm hegt und Eckbert in vieler Hinsicht an den von ihm getöteten Walther erinnert. Hugo schließt sich stark an Eckbert an und versucht, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Nachdem Eckbert ihm den Mord an Walther anvertraut hat, verändert Hugo sich stark und wirkt unheimlich auf Eckbert. Eines Tages sind Hugos Gesichtszüge zu Eckberts Entsetzen identisch mit denen von Walther.

  • Berthas (Zieh-)Vater Martin

    Lebt als Schäfer in einem Dorf, arbeitet hart und ist sehr arm, streitet oft mit seiner Frau wegen dieser Armut, ist ständig unzufrieden mit Bertha und schlägt sie. Als Bertha als junge Frau in ihr Kindheitsdorf zurückkehrt, ist Schäfer Martin bereits verstorben.

  • Berthas (Zieh-)Mutter

    Leidet ebenfalls unter der Armut und führt einen äußerst einfachen Haushalt. Bertha ist ihr dabei keine Hilfe, und sie schimpft häufig mit ihr wegen ihres Ungeschicks. Auch Berthas Mutter lebt nicht mehr, als Bertha nach etlichen Jahren, die sie bei der Alten verbracht hat, in das Dorf ihrer Kindheit zurückkehrt.

  • Aufwärterin

    Bertha nimmt eine Frau als Dienstbotin zu sich, als sie ein Haus mietet. Nachdem sie den Vogel getötet hat, beginnt sie jedoch, sich vor ihr zu fürchten. Über die Aufwärterin erfährt man dabei gar nichts; die Angst, die Bertha vor ihr hat, liegt vor allem in ihrem eigenen Gewissen begründet. Sie fürchtet, die Frau könnte ihr das gleiche antun, was sie selber der Alten angetan hat, oder sie sogar eines Tages ermorden.

  • Alter Ritter

    Ein Gegner Eckberts, der sich in der Vergangenheit oft neugierig nach Bertha und nach Eckberts Reichtum erkundigt hat. Auf einer Gesellschaft tuschelt er mit Hugo. Eckbert glaubt, dass die beiden über ihn sprechen und fühlt sich verraten.

  • Alter Bauer

    Bei einem Ausritt verirrt sich Eckbert und fragt einen alten Bauern nach dem Weg. Als Dank für die Auskunft bietet er ihm einige Münzen an, die der Bauer aber ablehnt. Auf einmal trägt auch er Walthers Gesichtszüge.

  • Berthas und Eckberts leiblicher Vater

    Bertha ist das leibliche Kind eines Ritters und dessen Liebschaft. Dieser Ritter ist zugleich auch Eckberts Vater. Weil er verheiratet war, konnte er Bertha nicht bei sich großziehen und gab sie in die Obhut des Hirten Martin und seiner Frau. Bertha und Eckbert sind also Halbgeschwister.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 11. Dezember 2022. Zuletzt aktualisiert am 11. Januar 2023.