Der blonde Eckbert

Absatz 11–14

Zusammenfassung

Am Morgen nach einer verzweifelt durchwachten Nacht öffnet Bertha halb unbewusst die Tür ihres Elternhauses und läuft fort in den Wald. Sie gelangt dabei ins Gebirge und fürchtet sich, denn sie hat bisher nur in der Ebene gelebt. Ihre Angst treibt sie jedoch immer weiter voran.

Nach vier Tagen Wanderschaft, die sie auch durch einige entlegene Dörfer führt, erreicht sie einen schmalen Pfad. Hier wird die Gegend noch unwirtlicher, und es gibt nur noch steile Klippen und Felswände. Während sie zuvor noch Zeichen menschlicher Zivilisation wie Schäferhütten gesehen hatte, ist sie jetzt in vollständiger Einsamkeit. Nachts hat sie Angst vor den Tiergeräuschen und betet.

Am anderen Morgen erklimmt sie einen steilen Felsen in der Hoffnung, vom Gipfel aus einen Überblick über die Gegend zu erhalten. Aber die Aussicht ist durch dichten Nebel verdeckt, und sie erkennt weder Baum noch Strauch. Eine tiefe Sehnsucht nach menschlicher Nähe überfällt sie.

Analyse

Obwohl Bertha auch in ihrem Elternhaus Angst vor der Gewalt ihres Vaters haben musste, fühlte sie sich zumindest mit ihrer Umgebung vertraut. Nun ist sie zum ersten Mal ganz allein unterwegs und lernt die Bergwelt und damit eine andere Form von Angst kennen. Das Gebirge steht in vielen Texten der Romantik als Sinnbild für das Numinose, also etwas, das in gleichem Maße Faszination und Anziehung wie Furcht und Schrecken auslöst. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist z. B. Ludwig Tiecks Erzählung »Der Runenberg«. In Berthas Situation scheint die Bergwelt allerdings zunächst ausschließlich angstbesetzt. Die Tatsache aber, dass sie trotz dieser Angst immer tiefer ins Gebirge hineingeht, deutet ebenfalls auf eine verborgene Anziehung hin. Der Hauptgrund für ihre Furcht ist das Fehlen menschlicher Gesellschaft. Aber auch die Wildnis und die nächtlichen Geräusche durch Wetter, Tiere und Pflanzen ängstigen sie.

Um Schutz zu erhalten, betet Bertha. Dies verbindet sie mit der frommen Alten, die sie später kennenlernt und deren häufige Gebete erwähnt werden. Bertha ist anfangs noch auf dem von der Alten sogenannten »rechten Weg«, einem Weg des Glaubens und der christlichen Werte. Erst später kommt sie davon ab.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 11. Dezember 2022. Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2022.