Der blonde Eckbert

Binnenhandlung, Absatz 8–10

Zusammenfassung

Im achten Absatz beginnt Berthas Erzählung ihrer Kindheits- und Jugendgeschichte. Die Erzählhaltung wechselt hier von der des auktorialen Erzählers zur Ich-Perspektive Berthas. Das Geschehen wird also allein aus ihrer Sicht dargestellt.

Zunächst schildert Bertha ihre ersten Lebensjahre im bettelarmen Haushalt ihrer Eltern: Ihr Vater Martin ist Hirte. Er und ihre Mutter, deren Name nicht genannt wird, streiten häufig wegen ihrer Armut und wissen oft nicht, woher sie das Geld für ihre Ernährung nehmen sollen. Bertha leidet darunter und denkt darüber nach, wie sie ihren Eltern helfen kann. Oft fantasiert sie von plötzlichem Reichtum, der ihr durch Geisterhand zuteil wird. In praktischer Hinsicht ist sie allerdings keine Unterstützung, denn sie ist sehr ungeschickt, kann weder nähen noch spinnen oder anderweitig im Haushalt helfen. Darum wird sie häufig ausgeschimpft. Vor allem ihr Vater macht ihr schwere Vorwürfe und schlägt sie sogar.

Als sie acht Jahre alt ist, nehmen die Vorhaltungen und körperlichen Strafen so stark zu, dass sie voller Verzweiflung ist und sich wünscht zu sterben.

Analyse

Die brutalen Erziehungsmethoden von Berthas Eltern werden in diesem Abschnitt mit aller Härte dargestellt. Doch wie jedes Kind liebt Bertha ihre Eltern dennoch und hat Traumvorstellungen davon, wie sie ihnen mit Hilfe von Zauberwesen aus der Armut helfen kann. Bertha wird hier als fantasiebegabtes Kind gezeigt, dem keinerlei Geborgenheit oder Halt gegeben wird. Stattdessen verlangen die Eltern tatkräftige praktische Unterstützung von einem Kind, das noch keine acht Jahre alt ist. Ihre Lieblosigkeit steht in einem krassen Gegensatz zu Berthas starkem und naturgemäß unerfüllbarem Wunsch, Mutter und Vater finanziell zu unterstützen.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 11. Dezember 2022. Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2022.