Der blonde Eckbert

Inhaltsangabe

Rahmenhandlung

Der blonde Eckbert, ein etwa 40-jähriger Ritter, lebt zurückgezogen in einer liebevollen Ehe mit seiner Frau Bertha auf einer Burg im Harz. Die beiden sind mit ihrem Leben scheinbar zufrieden, wenn auch traurig darüber, dass ihre Verbindung  kinderlos bleibt. Sie haben selten Besuch, nur der vertraute Freund Philipp Walther ist häufig zu Gast. Eines Abends bittet Eckbert seine Frau, Walther ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Binnenhandlung

Berthas Geschichte beginnt mit ihrer schweren Kindheit in einem armen Elternhaus. Sie träumt davon, reich zu werden und ihre Eltern von ihren Sorgen zu befreien. Mit acht Jahren läuft sie vor den Schlägen des Vaters von zu Hause fort in den Wald. Nach einem langen Fußmarsch trifft sie eine alte Frau, die sie in ihrer Hütte aufnimmt. Die Alte lebt mit einem Hund und einem mysteriösen Vogel zusammen. Der schöne Vogel singt immer wieder ein Lied über die Freude an der Einsamkeit im Wald. In der folgenden Zeit weist die Alte Bertha in ihren Haushalt ein. Sie überlässt ihr die Verantwortung für die Hütte und die Tiere, wenn sie länger unterwegs ist.

Bertha ist schon vier Jahre bei der Frau, als diese ihr anvertraut, dass der Vogel jeden Tag ein Ei mit einem Edelstein legt. Bertha liest inzwischen viel und fantasiert von einer Welt außerhalb des Waldes, von schönen Rittern und der Liebe. Die Alte warnt das Mädchen davor, von der »rechten Bahn« abzuweichen. Die inzwischen Vierzehnjährige versteht nicht, was die Alte meint. Sie sieht sich in ihren Träumen als Prinzessin; die Hütte erscheint ihr auf einmal klein und eng.

Als sie wieder einmal allein ist, bindet sie den Hund an, nimmt sich ein paar Edelsteine und läuft mit dem Vogelkäfig davon. Der Hund, an dessen Namen sie sich während ihrer Erzählung nicht mehr erinnern kann, verhungert später aufgrund ihres verantwortungslosen Verhaltens. In ihrem Heimatdorf erfährt sie, dass ihre Eltern verstorben sind. Bertha ist betroffen; sie hatte sich das Wiedersehen so schön ausgemalt. Sie verkauft die Steine und mietet ein Haus in einer schönen Stadt, wo sie ihre Vergangenheit langsam vergisst.

Nachdem er lange geschwiegen hat, singt der Vogel eines Nachts das vertraute Lied mit einem veränderten Text: Er spricht davon, dass Bertha die Waldeinsamkeit verlassen habe und darüber Reue empfinde. Der Gesang wird immer lauter und durchdringender. Bertha weiß, dass sie ein Unrecht begangen hat und fürchtet sich vor dem Vogel. Schließlich erwürgt sie ihn und begräbt seine Leiche im Garten. Danach befällt sie eine unbestimmte Furcht vor ihrer Haushälterin. Als Ritter Eckbert um ihre Hand anhält, nimmt sie den Antrag gern an. Berthas Reichtum ermöglicht beiden ein gutes Leben auf der Burg.

Rahmenhandlung

Walther bedankt sich für Berthas Erzählung mit der Bemerkung, er könne sie sich gut mit dem Vogel und »dem kleinen Strohmian« vorstellen. Bertha erschrickt – schließlich hatte sie sich selbst nicht mehr an den Namen des Tieres erinnert und ihn dementsprechend auch nicht genannt. Walther übernachtet auf der Burg und verabschiedet sich am anderen Morgen recht kühl von Eckbert. Bertha kommt nicht zum Abschied aus ihrem Zimmer herunter, weil sie sich krank fühlt.

Die Beziehung zwischen Eckbert und Walther verändert sich; ihre Begegnungen werden oberflächlich. Eckbert ist deshalb von Unruhe erfüllt. Unterdessen verschlimmert sich Berthas Krankheit. Sie gesteht Eckbert, dass sie innerlich zerrüttet sei, weil Walther den Namen des Hundes kenne. Sie fragt sich, in welcher Verbindung Walther mit ihrem Schicksal steht. Eckbert wünscht sich, dass Walther aus seinem Leben verschwindet. Um sich abzulenken, geht er zur Jagd in den Wald. Dort sieht er Walther von fern und tötet ihn mit seiner Armbrust. Als er zur Burg zurückkehrt, ist Bertha verstorben.

Eckbert leidet unter dem Verlust seiner Frau und hat schwere Schuldgefühle wegen des Mordes an seinem Freund. Er sucht Ablenkung bei gesellschaftlichen Anlässen. So lernt er den jungen Ritter Hugo kennen, in dem er einen neuen Freund findet. Eines Tages vertraut er ihm seine Vergangenheit und den Mord an Walther an, woraufhin Hugo sich bald von ihm abwendet. Am selben Abend erkennt Eckbert in Hugos Gesicht Walthers Züge und ist entsetzt.

Eckbert begibt sich auf eine Reise, doch die Erinnerung verfolgt ihn. Als er in einer abgelegenen Gegend das Lied »Waldeinsamkeit« singen hört, kann er Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. Eine alte Frau nähert sich und fragt nach ihrem Vogel, den Edelsteinen und dem Hund. Sie offenbart Eckbert, ihm in der Gestalt von Walther und Hugo begegnet zu sein. Er erfährt von ihr auch, dass Bertha seine Halbschwester aus einer heimlichen Liebschaft seines Vaters war. Als Kind hatte man sie zu einer Hirtenfamilie gegeben. Die Alte hatte sich ihrer später angenommen. Alles hätte sich zum Guten wenden können, hätte Bertha sie nicht arglistig getäuscht und sich davongemacht.

Eckbert stirbt in verzweifelter Umnachtung.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 11. Dezember 2022. Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2022.