Der blonde Eckbert

Rahmenhandlung, Absatz 1–3

Zusammenfassung

Im ersten Absatz wird Ritter Eckbert, genannt »der blonde Eckbert«, äußerlich und charakterlich beschrieben. Er ist ein kleiner, unauffälliger Mann mit kurzem, hellblondem Haar. Vom Wesen her ist er ruhig und harmoniebedürftig, genau wie seine Frau Bertha, die ebenfalls als Figur bereits im ersten Absatz eingeführt wird.

Man erfährt, dass die Ehe der beiden kinderlos ist und sie sehr zurückgezogen auf ihrer Burg im Harz leben. Besuche und Geselligkeit gibt es bei ihnen nur selten. Eine Ausnahme ist Ritter Philipp Walter, der im dritten Absatz als guter Freund Eckberts vorgestellt wird.

Walter stammt aus Franken, hält sich aber häufig für längere Zeit im Harz auf, um Kräuter und Steine zu sammeln. Dann trifft er sich stets mit Eckbert. Auf langen Spaziergängen tauschen sie sich im Gespräch aus. Sie haben eine ähnliche Lebenseinstellung; allerdings wird nicht näher erläutert, worin diese besteht.

Analyse

Obwohl zu Beginn des Märchens nichts Ungewöhnliches geschildert wird, stellt sich bei der Beschreibung Eckberts, Berthas und Walthers von Anfang an das Gefühl einer unheimlichen Bedrohung ein.

Vordergründig erscheint alles sehr friedlich: eine harmonische, freundschaftliche Ehe zweier Menschen, die die Einsamkeit lieben, und eine tiefe Freundschaft zweier Männer, die die gleichen Gesinnungen teilen. Was in den geschilderten Situationen jedoch völlig fehlt, sind Lebenslust, Temperament und Fröhlichkeit. Eckberts Gesicht wird als »eingefallen« bezeichnet, was bei einem Mann um die Vierzig befremdet. Auch wird erwähnt, dass das Paar über seine Kinderlosigkeit klagt – ein deutlicher Schatten, der auf die Idylle fällt. Eckbert zeigt sich nur in Gegenwart von Gästen »heiter und aufgeräumt«; ist er allein, fällt an ihm »eine gewisse Verschlossenheit, eine stille, zurückhaltende Melancholie« (S. 3) auf.

Zwar wird das Alter von Philipp Walther nicht erwähnt, aber aufgrund der Freundschaft und derselben »Art zu denken«, die er mit Eckbert teilt, geht man davon aus, dass beide ungefähr gleichaltrig sind. Vor diesem Hintergrund wirkt auch Walthers Lebensart zumindest unkonventionell. Er ist unverheiratet und wie Eckbert kinderlos und einzelgängerisch. Auch sein großes Interesse am Sammeln von Kräutern und Steinen ist untypisch für einen Ritter, ebenso wie das fehlende Interesse an Kampf und Wettstreit, das ihn ebenfalls mit Eckbert verbindet.

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 11. Dezember 2022. Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2022.