Der blonde Eckbert

Absatz 32–38

Zusammenfassung

Bertha ist inzwischen vierzehn Jahre alt. Sie versteht mittlerweile, dass die Edelsteine einen Wert besitzen, der es ihr ermöglichen würde, außerhalb des Waldes ein eigenes Leben aufzubauen. Immer öfter kommt ihr der Gedanke, dass sie an einem anderen Ort leben könnte, und sie träumt sich noch häufiger als bisher in Fantasiewelten hinein, in denen sie der strahlende Mittelpunkt ist.

Als die Alte eines Tages wieder fortgeht, spürt Bertha schon beim Abschied, dass sie sie nicht wiedersehen wird. Zwar pflegt sie an den folgenden Tagen die Tiere besonders fürsorglich und kommt mit noch größerem Eifer als sonst ihren Haushaltspflichten nach, doch in ihrem tiefsten Inneren steht ihr Entschluss zum Aufbruch bereits fest. Sie kämpft noch eine Weile mit gegensätzlichen Gefühlen, bis sie nach ein paar Tagen eine klare Entscheidung trifft. Sie nimmt den Vogelkäfig unter den Arm und bindet den Hund fest, obwohl sie weiß, dass sie damit seinen Hungertod riskiert. Dann greift sie sich ein Gefäß mit Edelsteinen und verlässt die Hütte.

Analyse

Während Bertha als lesende Zwölfjährige nur davon geträumt hat, einem Ritter zu begegnen und sich in ihn zu verlieben, mischen sich zwei Jahre später auch Wünsche nach Reichtum und Schönheit in diese Vorstellungen: »[D]ass ich mich schon herrlich geschmückt sah, und Ritter und Prinzen um mich her.« (S. 14) Ihr Fokus liegt also inzwischen stärker auf ihrer eigenen Person und der Bewunderung vieler Männer als auf der mädchenhaften Vorstellung von einem ritterlichen Liebespartner.

Der Wunsch, aus dem gewohnten Leben auszubrechen, ergreift schließlich so stark von ihr Besitz, dass sie die Alte, die für sie gesorgt hat, bestiehlt und den winselnden Hund allein zurücklässt. Dabei ist sie keineswegs mitleidlos, sondern sagt: »Ich weinte und wäre beinahe wieder umgekehrt« (S. 15). Doch der Weg zurück in ihr altes Leben ist verschlossen und eine Umkehr nicht mehr möglich: »aber die Sucht etwas Neues zu sehn, trieb mich vorwärts.« (ebd.)

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 11. Dezember 2022. Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2022.