Der blonde Eckbert

Absatz 54–59

Zusammenfassung

Nach diesem Abend besucht Walther die Freunde nur noch selten, und sein Benehmen ihnen gegenüber ist völlig verändert, kalt und verschlossen. Eckbert quält dieses Verhalten. Zugleich ist er besorgt um Bertha, deren physischer Zustand sich stetig verschlechtert. Sie kann das Krankenbett nicht verlassen.

Eines Morgens ruft sie ihn zu sich und gesteht ihm, wie sehr Walthers Bemerkung über den Hund Strohmian sie beschäftige. Sie fragt sich, woher Walther den Namen wisse, den sie in ihrer Erzählung nicht genannt hat, und wie ihre Schicksale wohl miteinander verbunden seien. Eckbert versucht, sie zu beruhigen, obwohl ihm Walthers Gegenwart mittlerweile selbst unerträglich geworden ist. Er denkt darüber nach, wie unbelastet sein Leben wieder wäre, wenn er Walther loswerden könnte.

Um sich abzulenken, geht er an einem Wintertag auf die Jagd. Tief im Wald sieht er Walther aus der Ferne, legt seine Armbrust an und erschießt ihn. Danach verspürt er Erleichterung und macht sich auf den langen Weg zurück zur Burg. Als er hier eintrifft, ist Bertha verstorben.

Analyse

Eckbert hat sich von Berthas und seiner Offenheit gegenüber Walther eine Intensivierung der Freundschaft erhofft; das Gegenteil ist jedoch eingetreten. Wie Markus Kraiger treffend analysiert, ist Eckbert nicht in der Lage, Walther auf sein eigenartiges Verhalten anzusprechen. In seinem Aufsatz zur Schuldfrage interpretiert Kraiger diese Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Unfähigkeit zur Kommunikation als den eigentlichen Konflikt, der zum Mord an Walther führt: »versucht […] Eckbert mittels des Mordes an Walther die Kluft zwischen Wunschvorstellung und Wirklichkeit zu überwinden und sich in die Illusion einer Scheinharmonie zu flüchten. Durch Berthas Tod wird diese Selbsttäuschung jedoch radikal zerstört.« (Kraiger 8)

Text von Dr. Susanne Niemuth-Engelmann. Veröffentlicht am 11. Dezember 2022. Zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2022.