Literatur der DDR (1949–1990)

Literatur der DDR (1949–1990)

Geschichtlicher Hintergrund

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland unter den vier Siegermächten (Sowjetunion, USA, Frankreich und Großbritannien) in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wurde am 7. Oktober 1949 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone gegründet. Der Staat grenzte sich politisch und wirtschaftlich deutlich von der Bundesrepublik Deutschland (BRD) ab.

Im Juni 1953 kam es zu einem Volksaufstand gegen das DDR-Regime. Am 17. Juni wurde der Aufstand durch das sowjetische Militär gewaltsam niedergeschlagen und forderte zahlreiche Todesopfer. Viele unzufriedene Bürger verließen daraufhin die DDR.

Aufgrund der Abwanderung vieler Menschen in den Westen begann die DDR im August 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer. Diese sichtbare Teilung Deutschlands stand bis zur Maueröffnung 1989.

Wichtige Autoren und Werke der DDR-Literatur

  • Jurek Becker (1937–1997):
  • Wolf Biermann (geb. 1936):
    • »Die Drahtharfe«
  • Christa Wolf (1929–2011):
    • »Der geteilte Himmel«
    • »Nachdenken über Christa T.«
    • »Kassandra«
    • »Kindheitsmuster«
  • Volker Braun (geb. 1939):
    • »Hinze-Kunze-Roman«
  • Bertolt Brecht (1898–1956):
    • »Die Tage der Commune«
  • Stefan Heym (1913–2001):
    • »Die Kannibalen und andere Erzählungen«
  • Uwe Johnson (1934–1984):
    • »Mutmassungen über Jakob«
  • Sarah Kirsch (1935–2013):
    • »Zaubersprüche«
  • Reiner Kunze (geb. 1933):
    • »Die wunderbaren Jahre«
  • Willi Bredel (1901–1964):
    • »Die Söhne«
    • »Die Enkel«
  • Brigitte Reimann (1933–1973):
    • »Ankunft im Alltag«
    • »Franziska Linkerhand«
  • Ulrich Plenzdorf (1934–2007):
    • »Die neuen Leiden des jungen W.«
  • Peter Hacks (1928–2003):
    • »Die Sorgen und die Macht«

Die Gesellschaft der DDR

Man setzte sich mit der vom Faschismus geprägten Vergangenheit auseinander. Ehemalige Nationalsozialisten wurden aus der Verwaltung und Justiz entfernt. Man wollte einen Gegenentwurf zum NS-Regime bilden und sah im Sozialismus und dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft die Lösung. Nach 1945 entschieden sich daher viele Autoren für ein Leben in der DDR.

Der Alltag der Menschen war geprägt durch die staatliche gesteuerte Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi). Folglich erhielt die Regierung der DDR immer weniger Zuspruch aus der Bevölkerung. Auch die zunehmenden Einschränkungen der persönlichen Entfaltung und Freiheit (z.B. Reisefreiheit) von DDR-Bürgern sorgten für Frust innerhalb der Gesellschaft. Viele Menschen blieben aus Zwang in der DDR oder flohen in den Westen. 

Vorstellung vom Menschen

  • Ideal: selbstloser und leistungsbereiter Arbeiter
  • Gesellschaftswohl steht über dem Eigenwohl 
  • Realität: Konflikte zwischen dem Einzelnen und den Erwartungen der Gesellschaft

Literatur in der DDR

Zu Beginn herrschte in der Literaturszene eine Aufbruchstimmung. Viele Autoren kehrten aus dem Exil zurück und wollten mit ihrer literarischen Arbeit dazu beitragen, eine bessere, vom Faschismus befreite Gesellschaft aufzubauen. 

Der Literaturbetrieb der DDR war aber auch von Anfang an vom Staat gesteuert und einer sozialistischen Ideologie unterworfen. So verordnete die politische Führungselite die Einführung des »Sozialistischen Realismus«. Strikte Vorgaben für Schriftsteller waren die Folge. Zudem sollte Literatur zwei wichtige Aufgaben erfüllen: Aufbau des Sozialismus fördern und die Bevölkerung sozialistisch erziehen

Merkmale der staatlich gelenkten Literatur:

  • Sozialistischer Held steht im Mittelpunkt 
  • Naturgetreue, realistische Nachbildung der Wirklichkeit
  • Leicht überschaubare und verständliche Erzählstruktur
  • Einfache und verständliche Sprache
  • Ziel: Festigung des ideologischen Gedankengutes

In den Jahren 1949 bis 1989 durchlief die DDR-Literatur verschiedene Phasen. Zurückgeführt wird dies auf gesellschaftliche Veränderungen und politische Entwicklungen in der DDR.

  • Anfangs (ca. 1950–1961) widmete sich die Literatur der Auseinandersetzung mit dem Faschismus. Man spricht von der »Aufbauliteratur« . Sie zeichnete sich durch eine idealisierte Vorstellung über die sozialistische Gesellschaft und einen positiven Blick in die Zukunft aus. Die Helden der Geschichten waren meist Arbeiter. 
  • Das Literaturprogramm »Bitterfelder Weg« wurde 1959 auf einer Autorenkonferenz beschlossen. Man hoffte damit einen besseren Zugang der Arbeiterklasse zu Kunst und Kultur zu gewährleisten. Die angestrebte Arbeiterliteratur (Literatur von und über Arbeiter) erwies sich allerdings als unrealistisch. 
  • Die 1960er Jahre waren geprägt von der sogenannten »Ankunftsliteratur«, die sich kritisch, aber versöhnlich mit dem Leben im Sozialismus auseinandersetzte. Infolgedessen entstanden Werke mit Figuren, die sich gut in die sozialistische Gesellschaft eingliederten.
  • Zu Beginn der 1970er Jahre zeigte sich in der Literatur häufig eine Kritik an der DDR. Der Staat ging daraufhin vermehrt gegen Autoren, die sich kritisch äußerten vor und zensierte viele Werke. Viele Autoren und Künstler verließen die DDR. Diejenigen, die in der DDR blieben, versuchten eine kritische Literaturszene aufzubauen. Um die versteckte Kritik in den Werken unterzubringen, nutzten sie Anspielungen, Doppeldeutigkeiten und Verschlüsselungen.
  • Angesicht der fortschreitenden Umweltzerstörung wuchs in den 1980er Jahren das Bewusstsein im Hinblick auf Katastrophen. Auch die zunehmende Angst vor einer atomaren Bedrohung schlug sich in der Literatur nieder.