Die Epoche des Spätmittelalters

Unter dem Epochenbegriff Spätmittelalter verstehen Historiker die Zeit von ca. 1250 bis 1500. Eine eigene Literaturepoche bildete sich im Spätmittelalter nicht heraus. Dennoch ist diese Zeit in literaturgeschichtlicher Hinsicht durchaus interessant, weil sich in den Schriften des Spätmittelalters gesellschaftliche Umbrüche direkt wiederspiegeln.

Das historische Umfeld

Das Spätmittelalter ist als zeitlicher Abschnitt zwischen dem Hochmittelalter und der Neuzeit eine klassische Übergangsepoche. Die Städte blühten auf, die Höfe verloren an Bedeutung und an den neu gegründeten Universitäten versammelte sich die intellektuelle Elite Europas. Generell nahm die Schriftlichkeit im Spätmittelalter enorm zu. Immer Frauen lernten das Lesen und Schreiben. Mit der Erfindung des Buchdrucks am Ende dieser Epoche vervielfachte sich die Zahl der verfügbaren Schriften innerhalb kürzester Zeit. Der Bedeutungsverlust der Höfe spiegelt sich im Verschwinden der höfischen Literatur wieder. Bürgerlich Fahrende zogen durch das Land und nutzten die Literatur als Möglichkeit zum Broterwerb.

Literarische Formen und Motive

Schwermut und eine Untergangsstimmung prägte die Literatur des Spätmittelalters. Zu den wichtigsten Literaturgattungen der Zeit zählen Gedichte, das Passionsspiel und die Märendichtung. Auch die Entstehung der ersten Stadtchroniken fällt in diese Epoche. Das Volkslied erfreute sich großer Beliebtheit und löste den Minnegesang ab. Schwank und Fastnachtsspiel erheiterten und belehrten die Menschen zugleich. Als bedeutende Autoren des Spätmittelalters gelten Hans Sachs, Meister Eckhart und Hugo von Trimberg.
Die geistlichen Texte wurden in der Zeit des ausgehenden Mittelalters um Gebete, Legenden und mystische Schriften bereichert. In der Literatur der Städte ging es um die Themen Religion und politische Wandlungsprozesse. Auch Fabeln und Sagen waren prägend für diese Epoche.