Die Epoche des Expressionismus

Da der Erste Weltkrieg eine Zäsur darstellte, sprechen Literaturhistoriker vom Frühexpressionismus bis 1914 und vom Expressionismus bis 1925. Die Themen jener Zeit wie Krieg, Großstadtleben, Angst vor Identitätsverlust und allgemeinem Zerfall prägten die Werke der zeitgenössischen Literaten.

Wichtige Autoren des Expressionismus
  • Gottfried Benn (1886–1956)
  • Georg Heym (1887–1912)
  • Georg Trakl (1887–1914)
  • Georg Kaiser (1878–1945)

Literarische Motive des Expressionismus

Leidenschaft, Liebe und Wahnsinn wurden zu Leitmotiven jener Epoche. Der Schilderung von Leid und Tod in düsteren Worten wurde viel Platz eingeräumt. Während sich die bildenden Künstler des Expressionismus in einer Art Farbenrausch austobten, trat bei den Dichtern, Dramatikern und Romanciers die Farbigkeit in Form von Übertreibung und ausladenden Beschreibungen zu Tage. Gefühle, Ängste, Ahnungen und Prognosen waren die beherrschenden Elemente in der expressionistischen Literatur.

Historische Hintergrund

Starke politische Spannungen prägten das Lebensgefühl der Europäer zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Internationale Krisen führten dazu, dass das Deutsche Reich immer mehr isoliert wurde und mehrere europäische Nationen aufrüsteten. 1914 begann der Erste Weltkrieg, der bis 1918 dauerte und dem rund 17 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Die herannahende Katastrophe fand ebenso wie das erlittene Leid der Kriegszeit ihren Niederschlag in der Literatur der Expressionisten.

Die Industrialisierung und die zunehmende Bedeutung der Maschinen verunsicherten und erschreckten den Menschen ebenfalls. Sie waren verstört durch die wachsende Anonymität in den Großstädten und empfanden eine starke innere Heimatlosigkeit. Dieser für jene Jahre typische Zeitgeist hallte ebenfalls in der Literatur wider. Als Folge der politischen Verwerfungen entwickelten sich radikalisierte sozialistische und nationalistische Strömungen, die sich auf offener Straße brutal bekämpften und auch unter den Literaten zu erbitterten weltanschaulichen Auseinandersetzungen führten.

Merkmale und Ziele der expressionistischen Literatur

Die schreibenden Künstler dieser kurzen Literaturepoche wandten sich sowohl thematisch als auch formal von den Traditionen ab. Viele verwendeten eine stark bildhafte Sprache, die von neuen Ausdrücken und Textrhythmen bestimmt wurde. Wortwiederholungen und eigenwilliger Satzbau (Syntax) wurden zu populären Stilmitteln. So wirkte die bis dahin übliche Sprache auf einmal deutlich modernisiert und durch expressive Sprachbilder erweitert.

Inhaltlich betrachtet und einfach ausgedrückt: Es kam den Vertretern des literarischen Expressionismus nicht so sehr darauf an, dass etwas Bestimmtes passierte. Sie legten eher Wert darauf, dass überhaupt etwas geschah, ohne eine Leitlinie erkennen zu lassen, wie sich dieses verwirklichen ließe. In dieser Haltung drückt sich das Gefühl der Verlorenheit besonders deutlich aus.

Bekannte Autoren des Expressionismus

Der wohl berühmteste Dichter von Weltrang, dem aber nie der Literaturnobelpreis zugesprochen wurde, ist Franz Kafka (1883-1924). Sein umfangreicher literarischer Nachlass umfasst auch die Romanfragmente „Der Prozess“ und „Das Schloss“.

Georg Trakl (1887-1914) und Georg Heym (1887-1912) gelten als die bedeutendsten Lyriker des Expressionismus. Ihre eindrucksvollen Gedichte überdauerten die kurze Lebenszeit der beiden Dichter bis heute.

Berühmte deutsche Expressionisten sind ferner Alfred Döblin (1878-1957) und Frank Wedekind (1864-1918). Dessen Dramen »Frühlings Erwachen«, »Erdgeist« und »Lulu« zählen zu den meistgespielten Stücken seiner Zeit. Weitere dem Expressionismus zugeschriebene Dramatiker und Schriftsteller sind Hans Henny Jahnn (1894–1959), der Schwede August Strindberg (1849–1912) und der amerikanische Literaturnobelpreisträger Eugene O’Neill (1888–1953).