Die Ballade ist ein erzählendes Gedicht mit mehreren Strophen. Sie schildert ein besonderes Ereignis. Bei der Ballade handelt es sich um eine Sonderform der Lyrik. Sie weist neben typischen Merkmalen der Lyrik auch solche der Epik sowie Dramatik auf.

Was ist eine Ballade?

Eine Ballade ist eine Form der Lyrik. Ihren Ursprung hat sie in provenzalischen Tanzliedern aus dem 12. Jahrhundert. Etwa ab 1770 ist die Ballade auch in Deutschland heimisch. Es handelt sich dabei um ein erzählendes Gedicht in Reimform. Es ist in Strophen und Verse gegliedert.

Die Ballade ist eine Mischform zwischen den Literaturgattungen. Sie verbindet Merkmale der Epik, der Dramatik und der Lyrik. Goethe bezeichnete die Ballade deshalb als »Ur-Ei« aller Dichtung. Die Handlung einer Ballade steht für das Epische, ein Konflikt für das Dramatische und Strophen sowie Reim für das Lyrische.

Zum Begriff Ballade

Der Begriff Ballade geht auf das okzitanische Verb balar = tanzen zurück. Das italienische ballata sowie das provenzalische balata bezeichnen seit dem 12. Jahrhundert ein Tanzlied. Das kurze Lied wurde von den Tanzenden gesungen. Es hatte mehrere Strophen und einen Kehrreim (Refrain).

Merkmale einer Ballade

Als Erzählgedicht erfüllt die Ballade die formalen Bedingungen der Lyrik, beispielsweise Gliederung in Strophen und Verse. Wenn in der Literatur von Ballade die Rede ist, sind fast immer die Kunstballaden ab dem 18. Jahrhundert gemeint. Inhaltlich schildert die Ballade in knapper und konzentrierter Form ein ungewöhnliches, meist handlungsreiches Geschehen. Die Stoffe sind oft tragisch oder spukhaft-dämonisch. Sie stammen meist aus der Geschichte oder greifen Motive aus Sagen und Mythen auf. Aber auch zeitgenössische Themen werden behandelt. In der Prosa entspricht die Ballade der Novelle.

Die wichtigsten Merkmale der Ballade

  • Gliederung in mehrere Strophen mit Versen
  • In Reimform, doch ohne eigenes festes Metrum
  • Oft historische Motive und Stoffe aus mittelalterlichen Sagen und Mythen, häufig tragisch oder schaurig-unheimlich
  • Erzählweise gedrängt und unmittelbar gegenwärtig: Der Leser oder Hörer wird in das Geschehen hineingezogen
  • Dialogisches Erzählen: Die Handlung wird durch Rede und Gegenrede vorangetrieben
  • Lyrische Stimmung, hervorgerufen durch den Gefühlsinhalt des Erzählten, durch Andeutungen, Ausrufe und Kehrreime

Balladenarten

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Ballade immer wieder verändert. Dies gilt für die Form ebenso wie für die inhaltlichen Schwerpunkte. Es ist fast unmöglich, einheitliche Kriterien für sämtliche Balladen zu finden.

Unterschieden werden im Wesentlichen Volksballaden und Kunstballaden.

Volksballaden

Volksballaden hatten meist einfache Inhalte und waren leicht singbar. Sie wurden von fahrenden Sängern verfasst. Deren Namen sind nicht bekannt. Das Volk machte sich die Balladen zu eigen. Ähnlich wie Volkslieder wurden sie mündlich überliefert. Deshalb existieren oft mehrere Varianten.

Kunstballaden

Kunstballaden entstanden in Deutschland ab dem späten 18. Jahrhundert. Sie sind das Werk eines namentlich bekannten Autoren. Den Anfang machte 1773 Gottfried August Bürger (1747–1794) mit der bis heute bekannten Ballade »Lenore«. In schaurig-unheimlicher Weise wird das Schicksal des Mädchens Lenore geschildert. Innerhalb der Kunstballaden werden mehrere Arten von Balladen unterschieden. Dabei richtet man sich hauptsächlich nach dem Inhalt:

Numinose Ballade

»Numinos« ist ein Begriff aus der Theologie. Er bedeutet göttlich oder heilig. In numinosen Balladen ist das Göttliche furchteinflößend und lockend zugleich. Hier kämpft der Mensch gegen magische Kräfte, die sein Schicksal beeinflussen. Unterarten sind die naturmagische Ballade (Goethe, »Erlkönig«), die totenmagische Ballade (Bürger, »Lenore«) sowie die Schicksalsballade (Schiller, »Die Kraniche des Ibykus«).

Historische Ballade

Historische Balladen greifen Stoffe aus der Geschichte auf. Die Inhalte sind oft erfunden, aber in einem historischen Kontext angesiedelt. Unterarten sind die Ritterballade (Schiller, »Der Handschuh«) oder die Heldenballade (Fontane, »John Maynard«).

Ideenballade

Die Ideenballade wurde von Goethe und Schiller begründet. Die Idee steht im Mittelpunkt einer kunstvoll gestalteten Ballade. Ihr wird alles andere untergeordnet. Die Ballade folgt einem Humanitätsideal, dem sich die Handelnden unterwerfen. Der Mensch muss sich bewähren (Schiller, »Die Bürgschaft«).

Soziale und politische Ballade

Soziale und politische Themen wurden schon im 18. Jahrhundert von der Balladendichtung aufgegriffen. Besonders der Sturm und Drang verarbeitete entsprechende Motive. So beschäftigt sich Bürger in »Des Pfarrers Tochter von Taubenheim« mit dem Motiv der Kindsmörderin. Später werden soziale Unterschiede zwischen Adel und Bürgern betont. Die Folgen der Industrialisierung werden ebenso thematisiert wie die des Kriegs (Brecht, »Legende vom toten Soldaten«).

Entwicklung der Ballade

Ursprünglich war die Ballade ein Tanzlied aus den romanischen Ländern. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde von den Tanzenden gesungen: ein kurzes, mehrstrophiges Lied mit Kehrreim. Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelten die sogenannten Troubadours (okzitanisch: Trobadore) die Form weiter. Die fahrenden Sänger dichteten, komponierten und sangen ihre Lieder an den mittelalterlichen Höfen.

Im 14. und 15. Jahrhundert war die Ballade eine in Frankreich weitverbreitete strenge lyrische Form. Unter den französischen Balladendichtern war der bedeutende François Villon (1431–nach 1463). Berühmte italienische Vertreter des Genre waren Dante Alighieri (1265–1321) und Giovanni Boccaccio (1313–1375).

In England kopierten Geoffrey Chaucer (um 1342/1343–1400) und sein Freund John Gower (1330–1408) die französische Ballade. Im 18. Jahrhundert übertrug man den Liedbegriff auf volksmäßige und leicht singbare Erzähllieder. Sie erzählten episch, erzielten beispielsweise mit Dialogen dramatische Effekte und schufen lyrische Stimmungen. In Deutschland übernahmen Bänkelsänger die Verbreitung dieser Volksballaden.

Das englische Wort ballad gelangte um 1770 nach Deutschland. Hier wurde nicht nur Goethe auf die besondere literarische Mischform aufmerksam. Im Sturm und Drang war die Ballade eine beliebte Gattung, insbesondere als naturmagische Ballade. Sie wurde von Goethe selbst begründet: Bekannte Beispiele sind »Der Fischer« (1778) sowie »Erlkönig« (1782).

Das Balladenjahr 1797

Die Ballade mit den Merkmalen aller drei Hauptgattungen interessierte die Weimarer Dichterfreunde Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Sie standen in einem regen Austausch über das Wesen der Ballade, über Inhalt und Form. Ihre theoretischen Überlegungen mündeten ins Schreiben von Balladen. Die Dichter regten sich dabei gegenseitig an. Besonders produktiv waren sie 1797, im sogenannten Balladenjahr.

Balladen von Goethe aus dem Jahr 1797:

  • »Der Zauberlehrling«
  • »Die Braut von Korinth«
  • »Der Gott und die Bajadere«
  • »Der Schatzgräber«
  • »Legende vom Hufeisen«

Balladen von Schiller aus dem Jahr 1797:

  • »Die Kraniche des Ibykus«
  • »Der Taucher«
  • »Der Ring des Polykrates«
  • »Der Handschuh«
  • »Ritter Toggenburg«
  • »Der Gang nach dem Eisenhammer«

Im Balladenjahr 1797 entwickelten Goethe und Schiller die klassische Ideenballade. Der Mensch sieht sich einer Schicksalsmacht gegenüber. Er muss eine sittliche Idee verwirklichen und sich damit bewähren. Scheitert er, so geht er unter. Diese Balladenform wurde von Schiller bevorzugt.

Die Romantik kehrt wieder zur volkstümlichen Ballade zurück. Ihr Liedcharakter mit regelmäßigem Versmaß und wiederkehrenden Reimen macht sie sangbar. Sie ließ sich also gut singen oder vortragen. Ihr Inhalt war oft unheimlich und mysteriös.

Ab dem 19. Jahrhundert wendet sich die Balladendichtung von den liedhaften Elementen ab. Bevorzugt werden nicht sangbare Balladen. Gleichzeitig verändern sich die Inhalte. Sie wenden sich historischen Stoffen zu. Der poetische Realismus war eine Blütezeit der historischen Handlungsballade. Bekannte Beispiele sind die Heldenballade »John Maynard« sowie die Schilderung eines Eisenbahnunglücks in der Ballade »Die Brück‘ am Tay«, beide von Theodor Fontane.

Später schlagen Balladen auch humoristische, politische und soziale oder sozialkritische Töne an. Zahlreiche Themen werden in Balladen bearbeitet, zum Beispiel von Bertolt Brecht zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Ballade nähert sich wieder dem Bänkelsang an. Auch Alltagsbegebenheiten werden zunehmend verarbeitet. Dies geschieht oft auf ironische, satirische oder groteske Art.

Inhaltsangaben bekannter Balladen