Eine Tragödie ist ein Bühnenstück mit ernstem Inhalt. Der Begriff ist im Wesentlichen gleichbedeutend mit Trauerspiel. Am Ende steht das Scheitern des tragischen Helden. Die Textsorte Tragödie zählt zur literarischen Gattung der Dramatik.

Was ist eine Tragödie?

Die Tragödie ist eine der beiden Grundformen des Dramas. Diese Unterscheidung hat bereits Aristoteles (384–322 v. Chr.) vorgenommen. Im Gegensatz zur heiteren Komödie ist die Tragödie ein Stück mit ernstem Inhalt. Ihre Entstehung lässt sich bis in das antike Griechenland zurückführen. In ihrer klassischen Form beschäftigt sich die Tragödie mit Fragen im Spannungsfeld von persönlicher Freiheit und Schicksal, von Mensch und Göttern oder Familienkonstellationen. Die Fragen münden in einem unlösbaren Konflikt. Für den Helden bedeutet das eine tragische Verstrickung in sein Schicksal. Die »Tragik« liegt darin, dass der Held eine gesellschaftlich hochstehende Person ist, der ohne direktes persönliches Verschulden schuldig wird und untergeht.

Zum Begriff Tragödie

Der Begriff Tragödie entstammt dem Theater der griechischen Antike. Er leitet sich ab vom griechischen tragodia = Bocksgesang. Dies war entweder der »Gesang der Böcke« mit tragischen Chören in Bocksmasken oder der »Gesang um den Bock«, der Preis oder Opfer war. Der Bocksgesang war Teil eines Kultes zu Ehren des Gottes Dionysos. In der griechischen Götterwelt ist Dionysos der Gott des Weines, der Freude und der Ekstase. Der Begriff Tragödie ist im Wesentlichen gleichbedeutend mit Trauerspiel.

Inhaltliche Merkmale einer Tragödie

Die wichtigsten Merkmale
  • Bühnenstück mit ernstem Inhalt
  • Mensch mit edlem Charakter im Mittelpunkt
  • Einhaltung der Ständeklausel (keine Figuren aus niedrigen Gesellschaftsschichten)
  • Darstellung eines unlösbaren Konflikts (Götter, Gesellschaft oder Familienkonstellation)
  • Fehler des Helden (er wird »schuldlos schuldig«)
  • Scheitern und unausweichlicher Untergang des Helden (Katastrophe)
  • Tragisches Ende
Tragik in der Tragödie

In der Alltagssprache wird tragisch oft im Sinne von traurig, schlimm oder ungut verwendet. Im Kontext der Tragödie bedeutet tragisch jedoch, dass ein Mensch von hohem sozialen Rang und Ansehen »schuldlos schuldig« wird. Er kann seinem Schicksal, einer fatalen gesellschaftlichen oder familiären Konstellation nicht entkommen. Die Konsequenz ist ein Sturz über eine große Fallhöhe. Am Ende steht der unausweichliche Untergang der Hauptfigur. Beispiele dafür sind Ödipus, Hamlet oder Maria Stuart.

Die Tragödie in der Antike

Die Tragödie hat ihren Ursprung im antiken Griechenland. Jedes Jahr im März wurde dort dem Gott Dionysos gehuldigt: Ausschweifende Feiern mit Wein, wilden Tänzen und Umzügen fanden statt. Das passt zum Aufgabenbereich von Dionysos in der griechischen Götterwelt: Er ist der Gott des Weines, der Freude, der Ekstase und auch der Fruchtbarkeit. Begleitet wurde Dionysos stets von den Satyrn: Wilden Dämonen, Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock.

Die Dionysien

Die Dionysien waren Festspiele zu Ehren des Gottes Dionysos. In der griechischen Antike wurde Dionysos als Gott des Weines, der Freude, der Fruchtbarkeit, der Trauben, der Ekstase und des Wahnsinns verehrt. Die Festspiele sind hervorgegangen aus kultischen Umzügen. Viermal im Jahr fanden derartige Feierlichkeiten statt – mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Wesentlicher Teil der Feiern und Umzüge war der Chorgesang. Die Sänger waren als Satyrn verkleidet. Der Dichter und Schauspieler Thespis (6. Jh. v. Chr.) hatte die Idee, dem Chor der Böcke einen einzelnen Sänger gegenüberzustellen. Das Loblied auf Dionysos, eigentlich ein Monolog, wurde so zum Dialog – mit Rede und Gegenrede. Im Gegensatz zu den Chorsängern trat der Solist als Mensch auf. Er wandte sich an die Götter und begann sein Schicksal zu hinterfragen.

Im 5. Jh. v. Chr. erlebte die Demokratie in Athen ihre Blütezeit. Die drei großen Tragödiendichter jener Zeit waren Aischylos, Sophokles und Euripides. Der Mensch der Antike war der Willkür der Götter und seines Schicksals ausgesetzt. Ununterbrochen drohte ihm die Gefahr des Untergangs oder der Vernichtung. Seinem Schicksal zu entkommen war unmöglich. Aber der Mensch konnte es annehmen und mit Würde tragen. Aischylos und Sophokles bestätigten ihre Zuschauer zunächst darin. Vor allem Euripides begann, den blinden Glauben an die Macht der Götter zu hinterfragen. Die Tragödie begann, sich vom Mythos zu lösen und die Vernunft des Menschen anzuerkennen.

Bekannte Tragödien aus der Antike
  • Die Orestie (458 v. Chr.) von Aischylos
  • Antigone (442 v. Chr.) von Sophokles
  • Medea (431 v. Chr.) von Euripides
  • König Ödipus (425 v. Chr.) von Sophokles
  • Iphigenie in Aulis (405 v. Chr.) von Euripides

Die Tragödie in der Neuzeit

Im Mittelalter entstanden so gut wie keine Tragödien. An deren Stelle traten Passionsspiele, in deren Mittelpunkt Leben und Leiden von Jesus Christus stand. Erst die spanischen Dichter Lope de Vega (1562–1635) und Pedro Calderón de la Barca (1600–1681) schufen wieder für die Weltliteratur bedeutende Tragödien.

In England griff William Shakespeare (1564–1616) das Genre auf. Seine Tragödien waren bestimmt von den politischen Verhältnissen des elisabethanischen Zeitalters. Shakespeare durchbrach die klassische Einheit von Zeit, Ort und Handlung. Während die Helden der Antike einen Typus von Mensch darstellen, geht es bei Shakespeare um den inneren Konflikt eines Einzelnen.

Tragödien von William Shakespeare

Große Bedeutung erlangte die Tragödie in der französischen Klassik (1660–1715). Die großen Dramatiker jener Epoche waren Pierre Corneille (1606–1684), Molière (1622–1673) und Jean Racine (1639–1699). Die drei Einheiten von Zeit, Ort und Handlung wurden streng eingehalten.

Zur Zeit der Aufklärung entsteht das Bürgerliche Trauerspiel als Untergattung der Tragödie. Bekannter deutschsprachiger Autor war Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781). Eine Besonderheit des Bürgerlichen Trauerspiels ist die Abweichung von der Ständeklausel. Es treten Charaktere sowohl aus dem Adel als auch aus dem Bürgertum auf. Dazu zählen Werke wie Lessings Emilia Galotti (1772) oder Schillers Kabale und Liebe (1784).

Die Weimarer Klassik brachte so bedeutende Tragödien hervor wie Goethes Egmont (1788), seine Iphigenie auf Tauris (1787) oder den Faust (1808).

In der modernen Zeit voller Widersprüche erscheint die Tragödie nicht mehr zeitgemäß. An ihre Stelle traten beispielsweise das epische Theater, die Tragikomödie oder die Groteske.

Bekannte Tragödien der Neuzeit

Quellen und weiterführende Literatur:
Basiswissen Schule Deutsch Abitur, Duden Schulbuchverlag Berlin, Mannheim, Zürich, 2011.
Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2013.