Tragikomödie

Eine Tragikomödie ist ein Bühnenstück. Merkmale der Tragödie und der Komödie sind dabei eng verknüpft. Die Textsorte Tragikomödie zählt zur literarischen Gattung der Dramatik.

Was ist eine Tragikomödie?

Eine Tragikomödie ist ein Bühnenstück. Sie zählt zur literarischen Hauptgattung der Dramatik. Eine Tragikomödie enthält sowohl Elemente der Tragödie als auch der Komödie. Diese durchdringen einander und erhellen sich wechselseitig. Man unterscheidet zwei Varianten:

  • Entweder werden tragische Situationen mit humoristischen Elementen verbunden, zum Beispiel bei Shakespeare,
  • oder komische Sachverhalte werden tragisch beleuchtet, zum Beispiel bei Molière.

Der so erzeugte Kontrast erzielt eine stärkere Wirkung beim Zuschauer. Das Stück ist dadurch vielschichtiger als eine Tragödie oder Komödie. Die Tragikomödie bewegt sich nahe am Tragischen, die Katastrophe bleibt jedoch meistens aus.

Zum Begriff Tragikomödie

Tragikomödie ist ein Kofferwort, das die beiden Hauptgattungen des Dramas verbindet. Der Begriff geht zurück auf das lateinische tragicomoedia, einer Zusammensetzung aus tragicus = tragisch und comoedia = Komödie. Geprägt wurde der Begriff von dem römischen Dichter Titus Maccius Plautus (etwa 254 v. Chr. – etwa 184 v. Chr.).  Er rechtfertigte damit das gemeinsame Auftreten von Göttern und Königen sowie Sklaven in einem seiner Stücke.

Die griechische Herkunft der Begriffe Tragödie und Komödie ist auf den jeweiligen Seiten ausführlich erklärt.

Merkmale der Tragikomödie

Ursprünglich bezeichnete eine Tragikomödie ein ernstes Stück mit gutem Ausgang. Über die Jahrhunderte wurde der Begriff auf andere und ähnliche Konstellationen ausgeweitet. Immer enthalten sind Elemente der beiden großen Gattungen der Dramatik.

Die wichtigsten inhaltlichen Merkmale einer Tragikomödie:

  • Enge Verknüpfung von Elementen der Tragödie und Komödie
  • Vielschichtige Welt mit widersprüchlichen Charakteren
  • Figuren häufig mit gegensätzlichen Wesenszügen
  • Zwei Typen von Tragikomödien:
    • Humoristische Tragik (tragische Sachverhalte mit komischen Elementen)
    • Tragisch gebrochener Humor (komische Sachverhalte in tragischer Beleuchtung, sodass aus Spott ein tragischer Unterton hervorklingt)
  • Große Breite an Themen und Figuren

Die Tragikomödie erscheint häufig als offenes Drama (im Gegensatz zur geschlossenen Dramenform). Sie weicht ab von der Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Die Tragikomödie kann auch mehrere Handlungstränge haben.

Formale und sprachliche Merkmale einer Tragikomödie:

  • Offene Dramenform
  • Mehrere Handlungsstränge sind möglich
  • Durchbrechen der Ständeklausel: Sozial hochgestellte (edle) Figuren stehen neben sozial niederen (gemeinen) Figuren
  • Sprachlich vielseitig

Geschichte der Gattung

In der Antike wurde der Begriff vom Stoff her definiert. Die Tragikomödie war ein Drama, das die Ständeklausel auflöste. Im Gegensatz zu Tragödie und Komödie traten Götter, Könige und sozial niedere Menschen im selben Stück auf.

Als Gattung taucht die Tragikomödie erst in der Renaissance auf. Auch dort wurde die Tragikomödie vom Stoff her begründet: ein ernstes Spiel mit heiterem Ausgang. Weit verbreitet war die Gattung im französischen Theater des 17. Jahrhunderts. Berühmter Vertreter jener Zeit war Molière (1622–1673).

In der Epoche der Aufklärung äußert sich Lessing in seiner »Hamburgischen Dramaturgie« zur Tragikomödie. Der Dramatiker stellt dabei zunächst ebenfalls auf inhaltliche Merkmale ab. Doch versteht Lessing unter der Tragikomödie auch ein Geschehen, in dem »der Ernst das Lachen, die Traurigkeit die Freude oder umgekehrt so unmittelbar erzeugt, dass uns die Abstraktion des einen oder anderen unmöglich fällt«.

Die Tragikomödie stellt den Dichter vor besondere Herausforderungen. Die einheitliche Gestaltung von Tragik und Komik sowie das sich gegenseitige Durchdringen gelingen eher selten in der Literaturgeschichte. Lessings Stück »Minna von Barnhelm« gilt als nahezu ideales Beispiel einer Tragikomödie. In vielen anderen zu jener Zeit entstandenen Dramen tritt dagegen das Tragische hinter anrührende Elemente zurück. Sie werden als Rührstücke bezeichnet.

Was ist ein Rührstück?

Als Rührstück wird eine Abart der Tragikomödie und des bürgerlichen Trauerspiels bezeichnet. Die Form stammt aus den Epochen der Aufklärung sowie der Empfindsamkeit. In Rührstücken tritt das Tragische zugunsten eines rührenden Moments zurück. Ein schlimmer Ausgang wird vermieden. Ein Übermaß an Tugend, Edelmut und Entsagung einerseits, und die reiche Belohnung des Unschuldigen andererseits, lässt das Drama ins Rührselige abdriften. Beim aufsteigenden Bürgertum jener Zeit waren Rührstücke oft beliebter als die Klassiker. Als moderne Form des Rührstücks gelten die Familienfilme im Fernsehen oder Kino.

Auch einige der sozialen Dramen des Sturm und Drang wie »Der Hofmeister« von Jakob Michael Reinhold Lenz lassen sich der Gattung zuordnen. Im 19. Jahrhundert verfasste Georg Büchner Dramen, in denen er nach dem Vorbild Shakespeares die Komik als Steigerung der Tragik einsetzt. Weitere wichtige Vertreter sind der Dichter des Vormärz Christian Dietrich Grabbe sowie Friedrich Hebbel mit seinem »Trauerspiel in Sizilien«.

Die Tragikomödie im Naturalismus entlarvt die Doppelgesichtigkeit des Menschen: Großartiges und Erhabenes sind ebenso vorhanden wie Niederes und Lächerliches. Bekannte Beispiele sind Henrik Ibsens »Wildente« oder »Die Ratten« von Gerhart Hauptmann.

Ab dem 20. Jahrhundert wird die Unterscheidung von Tragik und Komik aufgehoben. Dies gilt für zeitkritische Volksstücke von Horváth wie »Kasimir und Karoline« ebenso wie Max Frischs »Biedermann« oder Dürrenmatts Grotesken wie »Der Besuch der alten Dame«. In seiner Schrift »Theaterprobleme« entwickelte Friedrich Dürrenmatt 1955 seine moderne Theorie der Tragikomödie.

Bekannte Tragikomödien

Quellen und weiterführende Literatur:
Basiswissen Schule Deutsch Abitur, Duden Schulbuchverlag Berlin, Mannheim, Zürich, 2011.
Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2013.